Hintergrundinformation
Gründe für die Entwicklung und fortlaufende Aktualisierung der Leitlinie
Die Osteoporose ist ein gesellschaftlich und ökonomisch prioritäres Gesundheitsproblem. Osteoporotische Frakturen führen nicht nur zu irreversiblen Einbussen an Lebensqualität und Behinderungen, sondern sie verursachen nach konservativen Schätzungen in Deutschland derzeit jährlich auch etwa 2,5-3 Mrd € an direkten und indirekten Kosten. Hochrechnungen zufolge wird das Problem der Fragilitätsfrakturen in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der demographischen Entwicklung an Brisanz um ein Vielfaches zunehmen.
DVO-Leitlinie 2009 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose
Die S3-Leitlinien 2009 des DVO zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei Frauen ab der Menopause und Männern ab dem 60. Lebensjahr sind die Weiterentwicklung der 2006 verabschiedeten Leitlinien des DVO zur Osteoporose bei Frauen nach den Wechseljahren und im Alter. Erstmals sind die Formen der sekundären Osteoporose integriert. Auch wurde erstmals eine Patientenversion der DVO-Leitlinie erarbeitet.
Umgang mit der Leitlinie
Die Leitlinie hat das Ziel, durch eine ausführliche Präsentation und Diskussion aktueller, dem derzeitigen Wissensstands entsprechender Erkenntnisse dem Arzt und dem Patienten eine Entscheidungshilfe bei den wichtigsten Fragestellungen der Diagnosestellung, der Prophylaxe und der Therapie der Osteoporose zu geben. Sie stützt sich dabei auf Analysen, die der einzelne Arzt und Patient aus seinem Erfahrungsbereich heraus schwer selbst vornehmen kann, und bei denen er auf externe Empfehlungen angewiesen ist. Wie bei jeder Leitlinie orientieren sich diese Hilfestellungen an durchschnittlichen Situationen, von denen im Einzelfall abgewichen werden kann und muss. Für die individuelle Diagnostik und Therapie entscheidend ist letztlich das Gesamtbild des Patienten, das eine Leitlinie in seiner Individualität nicht abbilden kann. Die in der Leitlinie gegebenen Empfehlungen stellen lediglich eine Richtschnur für typische klinische Konstellationen dar. Konstellationen der Entscheidungsfindung, bei denen solche Abweichungen häufig erforderlich sind, wie dies bei den Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie der Fall ist, greift die Leitlinie explizit auf und schlägt hier Handlungskorridore vor, die bei der individuellen Entscheidungsfindung helfen sollen.
Viele der in den Leitlinien gegebenen konkreten Angaben zu Schwellenwerten entsprechen dem in der externen Diskussion mit den Anwendern geäußertem Wunsch nach praktikablen Kategorisierungen. Zu Beginn der Aktualisierung der Leitlinie fand eine Diskussion der Arbeitsgruppenmitglieder statt, bei der die Vor- und Nachteile mehr allgemein gehaltener Empfehlungen im Vergleich zu konkreten Kategorisierungen diskutiert wurden. Die Arbeitsgruppenmitglieder waren sich darin einig, dass die Vorteile einer Kategorisierung bei der praktischen Anwendbarkeit der Leitlinie überwiegen. Es muss aber betont werden, dass es sich bei den Grenzen dieser Kategorien nicht um pathophysiologisch scharf definierte Grenzen handelt, sondern um fließende oder aufgrund der begrenzten Studienlage unscharfe Sachverhalte, die jeweils mit einem mehr oder weniger großen Vertrauensintervall verbunden sind. Eine zu enge Auslegung der Grenzen dieser aus Praktikabilitätsgründen vorgenommenen Kategorisierungen würde einer Pseudogenauigkeit entsprechen, die der vorhandenen Evidenz nicht gerecht wird.
Auftraggeber
Auftraggeber der Leitlinie ist der Dachverband der Deutschsprachigen Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (DVO) e.V. (www.dv-osteologie.org). Der Dachverband ist die multidisziplinäre und länderübergreifende Vereinigung aller Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, die sich überwiegend oder mit einem wissenschaftlichen Schwerpunkt mit Knochenerkrankungen beschäftigen.
Der Dachverband Osteologie ist ein Zusammenschluss der folgenden Vereinigungen:
- Arbeitsgemeinschaft Knochentumoren
- Deutsche Akademie der osteologischen und rheumatologischen Wissenschaften·
- Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, Sektion Calcium-regulierende Hormone und Knochenstoffwechsel
- Deutsche Gesellschaft für Geriatrie
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin
- Deutsche Gesellschaft für Osteologie
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Othopädische Chirurgie, Sektion Osteologie
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, Kommission für Osteologie und Arbeitsgemeinschaft Osteologie
- Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, Arbeitsgemeinschaft Osteologie
- Deutsche Menopause Gesellschaft
- Interdisziplinäre Gesellschaft für Othopädische und Unfallchirurgische Schmerztherapie, Sektion Osteologie
- Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie
- Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels· Orthopädische Gesellschaft für Osteologie
- Schweizerische Vereinigung gegen die Osteoporose
Der Dachverband Osteologie hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, im Namen der genannten Fachgesellschaften evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik und Therapie der Osteoporose zu geben und diese fortlaufend zu aktualisieren
Was sind die Ziele der Leitlinien?
Ziel der Leitlinie sind Schlüsselempfehlungen für die Prävention von osteoporotischen Frakturen und für eine in Bezug auf Kosten und Nutzen abgewogene, praktikable Identifikation, Beratung und Therapie von Risikopersonen für osteoporotische Frakturen. Die Empfehlungen sollen Versorgungsabläufe optimieren, Frakturen verhindern, klinische Resultate von Frakturen verbessern und die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit der Betroffenen erhalten. Dabei gehen die Leitlinien auch auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen der empfohlenen Vorgehensweise ein und nehmen dezidiert Stellung zu Maßnahmen, die derzeit als unzweckmäßig oder unzureichend untersucht erachtet werden. Gleichzeitig sollen die Leitlinien aufzeigen, an welchen Stellen der größte Bedarf an Forschung und strukturellen Änderungen des Versorgungsablaufs besteht.
Suchzeitraum, Datenrecherchen und Evidenzbewertung
Um einen Bias in der Einbeziehung therapeutischer Studien in die Leitlinie zu vermeiden, wurden von der Arbeitsgruppe frühzeitig Fristen für den Suchzeitraum festgelegt. Danach wurden Publikationen aus Therapiestudien nur bis zum31.12.2008 berücksichtigt. Publikationen, die sich an diesem Stichtag im Druck befanden und mit den gleichen Suchkriterien, z. B. in Medline, gefunden werden konnten, wurden ebenfalls mit berücksichtigt. Das gleiche galt für Prepress-/Onlinepublikationen therapeutischer Studien, sofern eine eingehende Beurteilung der Daten zum Stichtag möglich war. In Bezug auf Studien zur Prävention und Diagnostik galten die gleichen Fristen. Als einzige Ausnahme von dieser Regel wurden die Ergebnisse einzelner wichtiger Metaanalysen, die ibis 31.12.2008 publiziert wurden, ebenfalls in die Leitlinie einbezogen.
Die Einzelheiten der systematischen Datenrecherchen im Suchzeitraum unterscheiden sich bei den Leitlinien zur postmenopausalen Osteoporose und dem Mann ab 60 und zur Glukokortikoid.induzierten Osteoporose etwas, so dass hier auf das entsprechende Kapitel der Langfassung der beiden Leitlinien verwiesen wird. Für die Evidenzbewertung wurden die SIGN-Kriterien und die Oxford-Kriterien zugrundegelegt.
Die wichtigsten Informationen zur Leitlinienaktualisierung im Überblick:
| 1. Die methodische Basis der Aktualisierung ist DELBI (http://www.delbi.de) 2. Die Aktualisierung der Leitlinie zur primären Osteoporose und zur Glucocorticoid-induzierten Osteoporose erfolgt gemeinsam. Die Leitlinie wird erstmals auch Empfehlungen zu anderen wichtigen Formen sekundärer Osteoporosen enthalten. 3. Die Aktualisierung erfolgt ehrenamtlich. 4. Suchzeitraum für die Literatur-Recherchen ist der 1. Februar 2005 bis 31. Dezember 2008 |
Weitere Einzelheiten zur Methodik, der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe und der Gestaltung können Sie der nachfolgenden PDF-Datei entnehmen.
Verfahrensablauf der DVO-Leitlinienaktualisierung 2009
Stand August 2009
Die eingegangenen Kommentare zur Aktualisierung können SIe im Kommentar-Forum einsehen.
Aktualisierungen
Planmäßige Aktualisierungen sind in 3 jährlichen Abständen geplant. Die nächste Aktualisierung ist 2012 zu erwarten. Akute Aktualisierungen .
